Unter Fichten ist es sehr dunkel…

Im Interview mit Frau Bärbel Kraemer berichtete Naturparkleiter Steffen Bohl, wie eine natürliche Entwicklung von Feucht- und Eichenwäldern im Quellgebiet des Verlorenwasserbachs gefördert wird. Die Märkische Allgemeine Zeitung berichtete am 04. Mai 2017 darüber:     

„Im Naturschutzgebiet Verlorenwasser werden alte und junge Fichten entfernt, weil laut Pflege- und Entwicklungsplan für den Naturpark Hoher Fläming zukünftig naturnahe Laubwälder das Ziel sind. Sogenannte gebietsfremde Baumarten wie die Fichte müssen daher weichen. Naturparkleiter Steffen Bohl erläutert im Interview die Notwendigkeit der Maßnahme.  

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Warum wurden im Naturschutzgebiet (NSG) Verlorenwasser junge und alte Fichten geringelt und somit aus dem Wald entfernt?

Laut Pflege- und Entwicklungsplan von 2006 für den Naturpark Hoher Fläming sind für das NSG naturnahe Laubwälder das Ziel. Dafür sind gebietsfremde Baumarten zu entnehmen. Die Fichte hat ihr natürliches Verbreitungsgebiet nur in den Hochlagen der deutschen Mittelgebirge und in den Alpen.

Wenn die Fichte gebietsfremd ist, welche Baumarten sind hier heimisch?

Zum Beispiel Erlen, Eschen, Birken, Kiefern sowie Trauben- und Stieleichen kommen hier natürlich vor und werden dauerhaft nicht mehr genutzt.

Wie viele Bäume wurden geringelt?

50 Altfichten und 250 Jungfichten wurden in Abstimmung mit der Landesforstverwaltung geringelt, die Fichten-Naturverjüngung gefällt. Das Holz verbleibt auf der Fläche. Die Maßnahmen begannen bereits vor zwei Jahren. Die Fichten hatten sich auf circa zehn Hektar verjüngt und würden die heimischen Baumarten künftig durch Lichtkonkurrenz verdrängen. Durch die Maßnahme haben wir jedoch die Voraussetzung geschaffen, dass natürlich vorkommende Baumarten wie Eichen sich künftig von allein verjüngen können.

Wie wird sich das Areal jetzt verändern?

Zuerst fallen die Nadeln der Fichten, dann die Äste. In fünf, zehn oder 20 Jahren stürzen die geringelten Fichten in sich zusammen. Im liegenden Totholz können sich dann zum Beispiel Eichen verjüngen ohne durch Wildverbiss geschädigt zu werden. Kein Reh geht dort hinein. Eine naturnahe Waldvegetation kann sich dann ungestört entwickeln.

Die Fichte ist nun aber zum Baum des Jahres 2017 ausgerufen worden. Besteht da nicht ein Widerspruch?

Nur indirekt. Die Fichte spielt in der Forstwirtschaft eine große Rolle und liefert ein sehr gutes Bauholz. In Naturschutzgebieten ist aber waldökologische Naturnähe das Ziel.

Waldbesitzer fürchten sich vor Käferfraß, ausgehend vom Naturschutzgebiet. Sind die Sorgen berechtigt?

Der Buchdrucker und der Kupferstecher sind auf Fichten spezialisierte Borkenkäfer, die umliegenden Flächen sind von Kiefern dominiert. Die Forstbehörde ist für das Monitoring verantwortlich. Sie ist informiert und beobachtet. Private Eigentümer können, so der Befall wirklich vom Naturschutzgebiet ausgeht, natürlich entschädigt werden.

Müsste im schlimmsten Fall die chemische Keule eingesetzt werden?

Sollte es zur Massenvermehrung kommen, sind sogenannte „Sanitärhiebe“ um das Naturschutzgebiet das Mittel der Wahl. Dabei werden befallene Bäume geerntet. Das Verständnis für die Ringelung der Fichten aus dem Wald ist gering.

Können Sie die Skepsis der Anwohner nachvollziehen?

Für Anwohner sieht diese Situation sicher schlimm aus. Im Naturschutzgebiet ist diese kleine Naturentwicklungsfläche auch Nationales Naturerbe Deutschlands. Auf nur 0,16 Prozent der Fläche des Naturparks darf sich die Natur ohne wirtschaftliche Nutzungen entwickeln. Natürlich brauchen wir Verständnis für diese neuen Wildnisflächen.

Von Christiane Sommer“

 

Alternativ wurde zuvor mit dem Landeswald-Oberförster Herrn Rothe geprüft, ob die Fichten auch geerntet werden können. Beim Fällen grüner alter, zum Teil rotfauler Fichten wären Schäden im Laubwald unvermeidbar.  Die Bergung mittels Seilzug wäre unwirtschaftlich. Der Einsatz von Harvestern auf den feuchten Böden und an den Quellbereichen hätten das Bodengefüge und die Vegetation geschädigt.  Deshalb war das Ringeln das Mittel der Wahl: Keine Schäden an Nachbarbeständen, keine Bodenverwundungen. Zudem stehendes und liegendes Totholz: Es ist in Naturwäldern in großen Menge vorhanden und stellt einen sehr wichtigen Lebensraum für hunderte bis tausende Arten, wie Pilze, Vögel, Fledermäuse, Insekten und anderen Wirbellose dar. Auf liegendem Totholz verjüngen sich Bäume. Die Biomasse der Fichten wird langfristig den Humusgehalt des Waldbodens für die künftigen Waldgenerationen verbessern.

 

 

 

 

 

Gebiet

  • Naturpark Hoher Fläming