Landschaftsentstehung

Gletscher formten den Hohen Fläming

Erst vor ca. 10.000 Jahren formten die Gletscher der Weichsel-Kaltzeit große Teile Brandenburgs und hinterließen flachwellige Grundmoränen, hügelige Endmoränen und tellerflache Urstromtäler.

Diese Gletscher dehnten sich aber nicht mehr so weit in den Süden Brandenburgs aus. Deshalb sind nur im Fläming und dem Niederlausitzer Landrücken die über 130.000 Jahre alten Ablagerungen der Saale-Kaltzeit erhalten. Durch den landschaftszerstörenden Braunkohletagebau in der Lausitz wurden und werden noch heute  die meisten Zeugnisse dieser Zeit unwiederbringlich zerstört. So zählt der Hohe Fläming zu den ältesten erhaltenen Landschaften Brandenburgs.

Die Altmoränenlandschaft des Hohen Fläming und das junge Urstromtal

Naturpark Hoher Fläming (Relief) | Kartengrundlage: © GeoBasis-DE/LGB/BKG

Im Naturpark finden sich Landschaften aus zwei geologischen Zeiträumen. Die mehr als 130.000 Jahre alten Höhen des Flämings sind noch zu den Altmoränen der Saalevereisung. Während der weiter nördlich gelegene Teil Brandenburgs in der jüngeren Weichseleiszeit (10.000 bis 115.000 vor heute) ein weiteres Mal von Gletschern bedeckt wurde, blieb der Hohe Fläming davon verschont. Die flachen Belziger Landschaftswiesen sind hingegen Teil des Baruther Urstromtals, welches seine  Entstehung den Schmelzwässern der Weichselgletscher zu verdanken hat. Sie sind damit bereits Teil der jungeiszeitlichen  Landschaft. 

Die steil abfallenden "Nordflanken" des Hohen Flämings, wie an der "Schönen Aussicht" bei Groß Briesen zu erleben, sind durch Erosion des jüngeren Urstromtals im ca. 100.000 älteren Moränen des Flämings Nachgeformt worden.   

Die Saalekaltzeit

Vor ca. 297.000 Jahren kühlte sich unser Klima allmählich ab. Eine neue Eiszeit, die Saalekaltzeit, stand bevor. Sie dauerte bis ca. 128.000 Jahre vor heute. Während dieser Zeit wechselten sich sehr kalte mit weniger kalten Perioden ab. Die Phasen der Eisbedeckung waren kurz und dauerten nur einige 10.000 Jahre. Aus Skandinavien kommend, gab es zwei große Gletschervorstöße, Drenthe- und Warthevorstoß, die den Fläming erreichten und das Gesicht der Landschaft stark veränderten. Die Gletscher des Drenthestadiums reichten weit nach Süden, über den Fläming hinaus, bis an den Fuß der Mittelgebirge. Danach schmolz der Gletscher wieder nach Norden zurück.   Das Eis des darauf folgenden Warthestadiums erreichte nur noch die Linie Lüneburger Heide - Fläming - Katzengebirge/Schlesien. Durch Ablagerungen dieser beiden Stadien wurde der Fläming entscheidend geformt.

Ablagerungen der Saalekaltzeit im Naturpark

Sander bei Hohenlobesse | Kartengrundlage: © GeoBasis-DE/LGB/BKG

Gletscher bestehen nicht nur aus Eis. Kleinste Tonpartikel, Sand, Kies und selbst metergroße Felsen werden im Eis und an seiner Basis mitgeführt. Schon beim Vorrücken eines Gletschers taut ständig Eis ab. Das aus dem Eis ausschmelzende Material wird von den Schmelzwassern mitgeführt und lagert sich vor dem Gletscher in großen Mengen ab. Die leichteren Tonpartikel transportierte das Schmelzwasser über das Elbtal in die Nordsee. Das Vorland des Gletschers wurde mit gröberen Sanden und Kiesen meterhoch verschüttet. Der Hauptbestandteil dieser Ablagerungen gibt ihnen den Namen: Sander.   Ist der Nachschub an Eis größer als das Abschmelzen bewegt sich die Gletscherfront voran und “überfährt” diese Ablagerungen wieder. Beim Gleichgewicht von Abtauen und Nachschub kommt der Eisrand jedoch zum Stillstand und der Sander bleibt erhalten.   Der heutige Fläming markiert solch eine Stillstandsphase. Ausgedehnte Sanderflächen rund um Reppinichen und Hohenlobbese konnten sich hier erhalten: Wie eine Rampe fällt das Gelände sanft zum Elbtal ab. Die sandigen Böden zählen zu den ärmsten im Naturpark. Der Ackerbau ist hier an der Grenze der Wirtschaftlichkeit.

Endmoränen, Grundmoränen, Urstromtal

Beim Stillstand des Gletscherrandes und seinem anschließenden Rückschmelzen hinterlässt dieser eine Endmoräne. Sie besteht aus Material, das der Gletscher vor sich zusammengeschoben und gestaucht hat sowie aus all dem, was aus der Gletscherfront herausschmilzt und sich vor dem Eisrand anhäuft. Taut das Eis vollständig ab, sinken Ton, Sand, Steine und alles, was sonst noch im Gletschereis eingeschlossen war, zu Boden. Dieser Absatz bildet als Geschiebemergel oder Geschiebelehm die Grundmoräne. Der Höhenzug des Flämings ist im wesentlichen aus Endmoränen, Grundmoränen und Sandern aufgebaut.   Schmilzt ein Gletscher, entstehen große Mengen an Tauwasser. Da die Landschaft in Mitteleuropa zu den Mittelgebirgen hin ansteigt, konnten die Schmelzwässer der Gletscher nicht nach Süden abfließen. Stattdessen strömten sie parallel zum Eisrand in breiten Tälern, den Urstromtälern, nach Westen Richtung Nordsee. Die Urströme der Saalegletscher flossen im Fläming zur Elbe über Magdeburg in Richtung Bremen.

Riesensteine im Hohen Fläming

Die imposanten Riesensteine verdanken wir dem Wirken der Eiszeit. Unterwegs herausgebrochen transportierten die Eiszeitgletscher Steine und Felsen aus Schweden oder vom Ostseegrund bis zu uns. Eingeschlossen ins Eis kamen sie in den Fläming. Mit dem Abschmelzen der Gletscher gab das Eis sie wieder frei und die Steine blieben in der Landschaft verstreut zurück. Von faustgroß bis fast haushoch reichen ihre Abmessungen. Ihre Häufigkeit macht den Fläming zur steinreichen Gegend.

Die Weichselkaltzeit

Mit dem endgültigen Abtauen der Gletscher erwärmte sich in einer 13.000 Jahre währenden Warmzeit, der Eemwarmzeit, unser Klima wieder. Zu dieser Zeit sah der Fläming wahrscheinlich aus, wie heute die Uckermark. Ein welliges Land voller Seen. 115.000 vor heute begann jedoch die nächste Kaltzeit, die Weichseleiszeit. Ihre Gletscher erreichten nur noch in etwa die Linie Brandenburg/Havel - Luckenwalde - Guben. Die von ihnen neu abgelagerten, jungen Moränen deckten das Gebiet im Norden Brandenburgs zu, nicht aber die alten Moränen des Fläming.   Der Fläming blieb zwar eisfrei, aber das Klima war so kalt, dass die ursprüngliche Jungmoränenlandschaft in die heutige Altmoränenlandschaft umgeformt wurde. Im Boden herrschte Dauerfrost, nur spärliche Flechten und Moose gediehen. Selbst im Sommer taute nur die oberste Bodenschicht auf. Diese geriet auf dem ständig gefrorenen Untergrund leicht ins Rutschen und floss langsam in die Seen. Sämtliche Seen verlandeten so in dieser Zeit.   Schneeschmelzwässer schufen eine Vielzahl von großen und kleinen Tälern, die heutigen Rummeln. In dem baumlosen Gebiet konnte der Wind Feinsand und Schluff aufnehmen, der in windgeschützten Lagen am Nordostrand des Flämings als Sandlöss wieder abgelagert wurde. Die Lössablagerung zeigt sich als breiter waldloser Streifen, der von Belzig über Niemegk bis nach Jüterbog und Dahme reicht. Aufgrund seiner Fruchtbarkeit wird er meist als Ackerboden genutzt: