Naturschutz

Im Naturpark Hoher Fläming ist der Schutz vielfältiger Lebensräume von besonderer Bedeutung:

Die Fläming-Buchenwälder

Durch seine Höhenlage regnet es im Hohen Fläming mehr, als in weiten Teilen des Landes Brandenburg. Deshalb gibt es hier ein inselartiges Buchenwaldvorkommen. In den Naturschutzgebieten „Spring“, „Flämingbuchen“, „Rabenstein“ und „Klein Marzehns“ genießen recht kleinflächig Laubwälder einen besonderen Schutz. Hier gilt es, durch den Erhalt von besonders alten Bäumen die Lebensräume für Spechte, Fledermäuse und hunderte Insektenarten, wie dem Hirschkäfer, zu entwickeln. Gerade diese fehlen oft im monotonen Nadelholz-Wirtschaftswald.  

Nichtstun ist in naturnahen Laubwäldern oft der beste Naturschutz.

Die Flämingbäche

Die Flämingbäche gehören zu den klarsten sommerkühlen Fließgewässern in Brandenburg. Hier leben noch Bachforellen, urtümlichen Bachneunaugen oder sehr seltene Edelkrebse. Nach seiner Ausrottung fühlt sich auch die weltweit einzigartige Unterart des Bibers, der Elbebiber, wieder heimisch. Zahlreiche hoch spezialisierte  und an saubere Bäche gebundene Wirbellose, z. B. seltene Libellenarten, konnten in den Naturschutzgebieten „Planetal“, „Verlorenwasserbach-Oberlauf“oder „Klein Briesener / Bullenberger Bach“ überleben. Für sehr viele Arten ist die Durchgängigkeit der Bäche und Flüsse bis zur Mündung sehr wichtig. Deshalb werden schrittweise Verrohrungen, Sohlabstürze und andere Hindernisse in Abstimmung mit allen Beteiligten, rückgebaut. 

Da sämtliche natürliche Bäche im Naturpark Teil des Europäischen Schutzgebietsnetzes NATURA 2000 sind, sollen die Bäche außerhalb von neuen Naturschutzgebieten durch spezielle Erhaltungszielverordnungen als Flora-Fauna-Habitat-Schutzgebiet mit klar formulieren Schutzzielen bis 2018 noch besseren Schutz genießen.  

Eine der größten unbesiedelten Bruchlandschaften Brandenburgs: Die Belziger Landschaftswiesen

Was bis vor 300 Jahren noch undurchdringlicher Erlenbruchwald im Baruther Urstromtal war, wurde durch vollständige Rohdungen und den Bau eines künstlichen Entwässerungssystems für die landwirtschaftliche Nutzung völlig verändert. Heute werden die Belziger Landschaftswiesen als größte Moorfläche im Naturpark durch Mutterkuhherden und auch Ackerbau geprägt. Wegen des Vorkommens zahlreicher seltener Vogelarten und dem nötigen Schutz des Moorkörpers sowie zahlreicher Feuchtlebensräume wurde das Naturschutzgebiet „Belziger Landschaftswiesen“ festgesetzt. Den Schutz und Management eines der letzten Lebensräume in Mitteleuropa für die vom Aussterben bedrohten Großtrappen im Naturschutzgebiet Belziger Landschaftswiesen sichert die Außenstelle Baitz der Staatlichen Vogelschutzwarte ab.

http://www.lugv.brandenburg.de/cms/detail.php/bb1.c.316047.de

Naturschutz in der Agrarlandschaft

Eine intensive konventionelle Landwirtschaft ist heute ohne den Einsatz von Düngemitteln und Pesitiziden nicht machbar. Die Arten der Offenlandschaft gehen in Brandenburg deshalb dramatisch zurück. Durch geeignete Maßnahmen, wie Blühstreifen, Brachen, spätere Mahdtermine oder die Reduzierung der Düngegaben kann der Agrarlandschaft sehr schnell ein höherer ökologischer Wert gegeben werden.

Die Naturparkverwaltung empfielt den Landwirten, die Ertragseinbußen durch freiwilligen Agrarumweltmaßnahmen im Rahmen des Kulturlandschaftsprogrammes (KULAP) fördern zu lassen. 

Es gibt aber auch kleine Schritte, die selbstverständlich für alle Landwirte sein sollten:

- Nicht gepachtete Wegeflurstücke dürfen nicht beackert werden. Dann entstehen oft hinreichend breite Blühstreifen. 

- Der Rückschnitt von Feldgehölzen muss fachgerecht erfolgen und deren Habitus nicht beeinträchtigen. 

- Waldsäume sind nicht aufzulichten, da die Bäume meist nicht den Landwirten gehören. 

- Moorstandorte sind ausschließlich als Grünland zu bewirtschaften.

- Eine abwechslungsreiche Fruchtfolge schon die Bodenfruchtbarkeit und verringert den Einsatz von Pestiziden. 

- Festmistlager dürfen nur auf befestigten Flächen eingerichtet werden.

- Gewässerrandstreifen dürfen nicht mit Pesitiziden behandelt werden.

 

 

 

 

Die Erika-Heiden

Wenn im August im Naturschutzgebiet „Werbiger Heide“ oder im Europäischen Vogelschutzgebiet „Altengrabow“ ein Meer aus violettem Heidekraut in den Fläming einzieht, ist der Nachwuchs der Wölfe und von seltenen Vogelarten, wie Wiedehopf und Ziegenmelker, schon aus dem Gröbsten raus.

Während auf dem aktiven Truppenübungsplatz Altengrabow die Bundeswehr die Heidepflege übernimmt, wird in der Werbiger Heide durch die gute Zusammenarbeit zwischen Eigentümer und Naturparkverwaltung der Einwanderung der Kiefern, als auch der Überalterung der Heidekrautpflanzen Einhalt geboten.

Am 16. Februar 2017 wurde die überalterte Heide im Naturschutzgebiet „Werbiger Heide“ durch Flämmen gepflegt. Die überalterte Heide soll so verjüngt und revitalisiert werden - für eine üppige Blüte in den kommenden Jahren!

Hier ein Video als kurzer Eindruck vom Flämmen: zum youtube-Video

Erstmals in zwei Wintern war die Wetterprognose dafür ideal. Beim Flämmen geht das kontrolliert von Fachleuten einer beauftragten Firma gelegte Feuer langsam über die Heide hinweg, ohne dass jedoch die Hitze tiefer als ein bis zwei Zentimeter in den Boden eindringt. So bleiben im Boden überwinternde Insekten und Reptilien geschützt und können sich im Frühjahr auf einen verbesserten Lebensraum freuen. Durch das Feuer bekommen die Heidekrautsamen wieder Platz und Licht. In kurzer Zeit ist die Heide regeneriert.

Heidegebiete sind wertvolle Lebensräume für eine Vielzahl von spezialisierten Tier- und Pflanzenarten. Nicht wenige wurden daher zu Naturschutzgebieten erklärt. Die Heiden entstanden meist auf mageren Standorten durch landwirtschaftliche Nutzung. Überwiegend wurden sie von Schafen und Ziegen beweidet. Insbesondere in Ostdeutschland entstanden viele Heidegebiete auch auf vom Militär genutzten Truppenübungsplätzen. Fraß, Befahren und Brand hielten die Heiden offen und waren so ein Garant für ihr Fortbestehen. Werden diese Nutzungen jedoch aufgegeben, entsteht innerhalb von wenigen Jahrzehnten Wald. Damit geht eine Kulturlandschaft verloren, die insbesondere zur Zeit der Heideblüte ein Anziehungspunkt ist. Auch die Sträucher des Heidekrauts (Calluna vulgaris), auch Besenheide oder Erika genannt, überaltern durch zunehmende Verholzung. Sie blühen dann kaum mehr und bedürfen deshalb einer regelmäßigen Verjüngung.

Das Naturschutzgebiet „Werbiger Heide“ bei Verlorenwasser im Naturpark Hoher Fläming ist auf zehn Hektar weitgehend zugewachsen. Der Kiefernaufwuchs wurde 2016 entfernt. Auf den verbleibenden zehn Hektar des Schutzgebiets rückten die Naturschützer bereits vor einigen Jahren dem Baumbewuchs zu Leibe. Jetzt ist dort das Heidekraut so überaltert, dass es abstirbt. Das Flämmen ist ein seit Jahrzehnten erfolgreich angewandtes Verfahren, das auch der Bundesforst und Naturschutzstiftungen in Schutzgebieten Brandenburgs praktizieren. Die Naturparkverwaltung Hoher Fläming hatte mit der Firma RANA aus Halle ein Spezialunternehmen beauftragt. Zum Schutz der umliegenden Kiefernforste wurde ein breiter Waldbrandschutzstreifen angelegt. Feuerwehrleute begleiteten die Arbeiten.

Naturschutzprojekte im Hohen Fläming

Die Naturparkverwaltung initiiert oder begleitet zur Entwicklung des Gebietes zahlreiche Naturschutzprojekte, die in Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Projektträgern umgesetzt werden. Eine Auflistung dieser Projekte finden Sie hier. Weiterführende Informationen zu den Naturschutzakteuren finden unter dem angegebenen Link.

Feuchtwiesenpflege im Planetal, auf den Burgwiesen Bad Belzig und am Belziger Bach

Die botanisch wertvollsten und artenreichsten Feuchtwiesen im Naturpark werden alljährlich besonders bodenschonend gemäht. Die weichen Torfböden tragen keine konventionelle Landtechnik. Deshalb werden die nassesten Wiesen in unserem Auftrag vom Naturschutzbund „Hoher Fläming –Planetal“ e. V. und der Juniorragerngruppe „Flämingfüchse“ der Naturwacht Hoher Fläming mit einem leichten Balkenmäher von Hand gemäht und beräumt. Auf den Burgwiesen wird noch Heu noch durch einen traditionellen Familienbetrieb für die Haflinger gemacht. Modernste Technik in Form einer umgebauten Pistenraupe kommt auf größeren Flächen zum Einsatz.

http://www.nabu-belzig.de

Bau einer dauerhaften Amphibienleiteinrichtung an der B 107 am Gesundbrunnenbach

Sanierung von Kleinstgewässern

Modellhafte Pflege von Gehölzbeständen (Hecken, Gehölzreihen)

Das umfassenste und auch letzte Förderprojekt des Landschaftspflegeverbandes "Hoher Fläming/Baruther Urstromtal" (LPV), mit initiiert von der Naturparkverwaltung, wurde in den Jahren 2012 bis 2014 durchgeführt.

Hintergrund: Die im Fläming bzw. Verbandsgebiet des LPV noch vielerorts vorkommenden Heckenstrukturen und  Erlen-/Eschenbestände an Bächen und Gräben sind mittlerweile überaltert. Landwirte, Flächennutzer und -eigentümer beklagen den Zustand der Hecken und Gehölzreihen. Vor den notwendigen Pflegemaßnahmen schrecken Landnutzer und Kommunen, die oft Eigentümer der Grundstücke, z.B. der Feldwege sind, zurück, da es viele Aspekte, vorrangig auch naturschutzfachlicher Art, zu berücksichtigen gilt.  Eine Vielzahl bestehender Gehölze ist akut gefährdet, da sie drohen zusammenzubrechen und ihre Strukturvielfalt sowie Teile ihrer wertvollen Funktionen zu verlieren. Im Sinne der Erhaltung typischer und für den Naturhaushalt wertvoller Landschaftsstrukturen sind Schutzmaßnahmen an den vorhandenen Beständen unbedingt erforderlich.

Ausgewählte typische Gehölzbestände wie eine typisch ursprüngliche Fläminghecke (tw. ausgewiesener Erntebestand für autochthone Gehölze), eine Hecke mit nichtheimischen Arten (Eschenahorn, Pappeln z.B.) aus den 70/80er Jahren, eine jüngere Hecke, gepflanzt Anfang der neunziger Jahre, typische überalterte Erlen-/Eschenreihen an Gräben/Bächen, ein überalterter Waldrand mit Altbäumen und eine lineare Wildobst-/ Obstreihe waren in dem Förderprojekt beispielhaft ausgewählt worden. Diese wurden so ausgewählt, dass  möglichst verschiedene Problemstellungen enthalten waren. Durch den Modell- und Beispielcharakter sollte erreicht werden, dass die Umsetzung weiterer Pflegemaßnahmen, die vielerorts erforderlich sind, „leichter möglich“ wird. Ein Büro erarbeitete eine Maßnahmenplanung in enger Abstimmung zwischen dem Vorstand und der unteren Naturschutzbehörde. Verschiedene Pflegevarianten wurden angewandt, um vergleichende Ergebnisse bzgl. des Aufwandes und des Erfolges zu erhalten.

Auf Basis der erarbeiteten Projektergebnisse haben Landnutzer und Kommunen nunmehr einen kompakten Überblick zu Vorgaben für das Prozedere bei ihren eigenen Vorhaben zu Gehölzpflegearbeiten. Hinweise und Ergebnisse bezüglich der fachgerechten Ausführung wie auch die nötigen Schritte zur Genehmigung der entsprechenden Pflegearbeiten sind im Zuge des praxisorientierten LPV-Projektes erfasst werden. Für die Pflegearbeiten an den verschiedenen Gehölzstrukturen erfolgte in der Dokumentation eine ausführliche Beschreibung, die bei der Pflege relevanten Probleme wurden aufgezeigt und Handlungsempfehlungen gegeben. Die Dokumentation liegt bereits als Langform vor. Eine kurze kompakte Handlungsanleitung für die Weitergabe an Kommunen und Landnutzer ist derzeit in Bearbeitung. 

Umbau von ausgedienten Trafostationen als Brutplatz für Vögel und Fledermäuse

Sanierung der Alten Badeanstalt in Raben als Lebensraum für Molche

Fledermauskeller in Weitzgrund

Renaturierung von Flämingbächen

Gemeinsam mit dem Wasser- und Bodenverband Plane-Buckau wurden mehrer verrohrte Bachabschnitte (oft Verrohrungen unter Überfahrten) zurück gebaut. Im ökologisch besonders empfindlichen Oberlauf der Adda wurde eine stillgelegte Forellenzuchtanlage vollständig rückgebaut.